Nach Pfingsten hatte ich eine Woche frei. Viele Pläne hatte ich für diese Woche geschmiedet. Zunächst sollte es mit unserem Wohnwagen nach Belgien gehen. Zwei unserer erwachsenen Kinder wollten meinen Mann und mich begleiten, darüber haben wir uns sehr gefreut. Wir wussten schon, welche Städte wir uns angucken wollten. Der erste Campingplatz nahe Brüssel war auch schon gebucht. In der zweiten Hälfte der Woche wollte ich zu einer Fortbildung in die Pfalz fahren. Die Fahrkarte gab es auch schon. Alles war gut geplant. Und dann, am zweiten Tag in Brüssel, bin ich über eine kleine Bordsteinstufe gestolpert und gestürzt. Ein Fuß wurde dick, die Bänder waren überdehnt. Alle Pläne waren hinfällig. Nun saß ich am Wohnwagen, kühlte den Fuß – und hatte Zeit. Einfach Zeit. Die Fortbildung musste ich absagen. Die Fahrt mit dem Zug über Hunderte von Kilometern traute ich mir in der Verfassung nicht zu. Klar war ich ein bisschen neidisch, wenn die Anderen abends von ihren Erlebnissen in den Städten Flanderns erzählten. Doch ich hatte Zeit, unverplante Zeit, tagelang. Und es war ein Geschenk, einfach dazusitzen, draußen in der Natur Vögel und Kaninchen zu beobachten, zu lesen, zu schlafen. Kein Plan, nur Zeit – und abends bekam ich eine Pizza mitgebracht. Es gibt ein Wort: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ In Langform steht das in den Sprüchen Salomos (16,9): „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Eine Kollegin sagte dann bei meiner Rückkehr nach Minden, „da hat Gott Dir den verknacksten Fuß geschickt, um Dich zu entschleunigen.“ Wahrscheinlich ist das so, dass wir manchmal jemanden brauchen, der uns auf das stupst, was uns gut tut. Am letzten Tag bin ich dann doch noch nach Gent hineingefahren mit den Anderen. Ich habe mit leuchtenden Augen diese wunderschöne Stadt bestaunt und akzeptiert, dass mein Fuß wieder ein bisschen mehr anschwoll. Doch dieses Geschenk der unverplanten Zeit möchte ich nicht vergessen, und hoffentlich brauche ich in Zukunft dazu nicht wieder einen verknacksten Fuß.

Sabine Bade

Sabine Bade

Pfarrerin, Gemeindepfarrerin am Martin-Luther-Haus, Bezirk v. St. Marien, Minden

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