Alle zwei Jahre bittet die Stiftung „Baudenkmal Ratskirche St. Martini zu Minden“ Stiftungsmitglieder, Freunde und Förderer zum Martinsgansessen. Damit knüpft die Stiftung an eine Urkunde von Kaiser Konrad II. aus dem Jahr 1033 an. Dort verfügte der Kaiser, dass der Bischof von Minden und die Kanoniker des Domstifts St. Petri sich regelmäßig am Martinstag zu einem Festmahl zu treffen hätten, „damit auf diese Weise Eintracht und Freundschaft gestärkt werde“.
Die Neuauflage des Martinsgansessens gibt es seit 2009. Am vergangenen Freitag fand das Essen also zum fünften Mal statt. Insgesamt rund 80 Gäste aus Kirche, Bürgerschaft und Wirtschaft waren der Einladung in den Ständersaal des Preußen-Museums gefolgt.
Dort informierte Pfarrer Christoph Ruffer als Vorsitzender der Stiftung und Gastgeber zunächst über den aktuellen Stand der Sanierung. Mittlerweile ist auch der vierte Abschnitt der Sanierung abgeschlossen, der dem Dach, den Maßwerkfenstern, Teilen der Fassade, den Kreuzblumen im Norden, der Entwässerung und der Pflasterung galt. Nun sei das Innere von Mindens Ratskirche an der Reihe, erläuterte Ruffer. Dringend müsse die historische Orgel gründlich gereinigt werden – was aber keinen Sinn hätte, bevor die gesamte Elektrik erneuert und ein kompletter frischer Innenanstrich gemacht worden sei. Auch weiterhin wird St. Martini also viel Geld für die Instandhaltung benötigen und auf die Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter, Spenderinnen und Spender sowie staatliche Zuwendungen angewiesen sein.
Zum „Format“ Martinsgansessen gehört, dass es neben kulinarischen auch musikalische Leckerbissen und einen Vortrag von einem namhaften Referenten gibt.
Für die musikalische Gestaltung des Abends sorgten die Cellistin Rebekka Wittig-Vogelsmeier und der Kantor der Martinikirche Dr. Ulf Wellner. Sie brachten verschiedene Bearbeitungen von Luther-Chorälen zu Gehör. U. a. waren „Dies sind die heil’gen zehn Gebot“ als „Clavierübung“ von Johann Sebastian Bach und „Ein feste Burg ist unser Gott“ in einer barocken Version von Johann Nicolaus Hanff zu hören.
Einen Vortrag über „Martin Luther, die Reformation und die Musik“ hielt Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow aus Bielefeld. An mehreren Beispielen machte er deutlich, welche zentrale Rolle die Musik für die Verbreitung reformatorischen Gedankenguts gespielt hat. Schon Luther selbst hat etwa 40 Lieder geschrieben – und noch heute stehen 24 davon im Gesangbuch. Viele weitere Lieder stammen von anderen Reformatoren.
„Gesungen prägte sich die Lehre leichter und ganzheitlicher ein“, erklärte von Bülow. Insbesondere Luthers Lied „Nun freut euch lieben Christen gmein“ könne man sich getrost als „Hit“ vorstellen, der zur Zeit Luthers allerorten gesungen wurde und zu hören war.
Bis heute trage Kirchenmusik wesentlich zur Verkündigung, zur Kulturwirksamkeit und zur kulturellen Prägekraft der Kirche bei, betonte von Bülow, und gerade in Westfalen sei Kirchenmusik lebendig und vielfältig. Minden mit seinem „tollen kirchenmusikalischen Angebot“ sei dafür ein gutes Beispiel.

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