Im Mutterhaus der Diakonie Stiftung Salem ist am vergangenen Samstag die Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Minden zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Stellungnahmen zu diversen Vorlagen der Landeskirche und die Mitgliedschaft des Kirchenkreises im DemenzNetz im Kreis Minden-Lübbecke.
In seinem Synoden-Bericht ging Superintendent Jürgen Tiemann auf aktuelle Projekte im Kirchenkreis ein wie das Engagement für die „Seebrücke Minden“ zum Schutz von Geflüchteten, die Initiative „Was bleibt“ und „Nicht(s) vergessen“ rund um die Themen Sterben, Weitergeben und Abschied nehmen, die Beteiligung am Kirchentag in Dortmund in dieser Woche und am Martin-Luther-King-Chorfestival am 22. Februar 2020.
Auf Antrag von Pfarrer Oliver Vogelsmeier befasste sich die Synode intensiv mit dem Thema Demenz und bejahte schließlich die Frage, ob der Kirchenkreis und seine Gemeinden sich dem DemenzNetz im Kreis Minden-Lübbecke anschließen sollten. Vogelsmeier ist Krankenhausseelsorger am Johannes Wesling Klinikum und zugleich Koordinator der Altenheimseelsorge im Kirchenkreis Minden. Für die Synode hatte er drei ausgewiesene Experten für das Thema Demenz eingeladen. Diakonin Ina Rohleder ist im Kirchenkreis Vlotho auf der Arbeitsstelle Seelsorge im Alter tätig, Hanne Piel ist seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig für Leben mit Demenz e. V. (Alzheimergesellschaft Minden-Lübbecke), Hartmut Emme von der Ahe arbeitet für Parisozial und ist dort Koordinator für alles, was das Demenznetz betrifft.
Jedes Jahr kommen allein im Kreis Minden-Lübbecke rund 1.200 Neu-Erkrankungen hinzu; prinzipiell ist davon auszugehen, dass künftig jede dritte Person im Alter von über 80 Jahren von Demenz betroffen sein wird. Das Schlimmste für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist die Isolation, mit der die Erkrankung viel zu oft einhergeht – darin sind sich Rohleder, Piel und Emme von der Ahe einig. Piels Bericht vom Aktivitätsprogramm, das Leben mit Demenz anbietet, führte eindrücklich vor Augen, wie sehr es die Belastung verringert, wenn die Isolation durch Unternehmungen gemeinsam mit anderen überwunden wird. Rohleder zeigte auf, dass in diesem Zusammenhang gerade auch die Kirche gefordert ist: Die heute besonders stark von Demenz betroffene Generation (80 plus) ist stark kirchlich sozialisiert und kennt Lieder aus dem Gesangbuch, Gebete und Gottesdienst-Abläufe schon aus der Kindheit. Sogar in fortgeschrittenen Stadien von Demenz erkennen Menschen daher oftmals noch Kirchenlieder und singen begeistert mit. Betroffene an Gottesdiensten teilhaben zu lassen, bedeutet daher, ihnen Gutes zu ermöglichen sowohl durch die Erinnerungen als auch das Gefühl, Teil der Gemeinschaft zu sein. Danach zu streben, „Demenz-sensible Gemeinde“ zu werden, sei darüber hinaus die logische Konsequenz aus Gottes bedingungsloser Zuwendung zu allen Menschen, sagte Rohleder.
Im weiteren Verlauf befasste sich die Synode mit diversen Vorlagen der Landeskirche. Sinn solcher „Vorlagen“ ist, dass die Kreis-Synoden Stellung nehmen können zu Themen, über die auf der Landes-Synode im Herbst verbindlich beschlossen wird. In diesem Sinn sind die 27 Kirchenkreise der Evangelischen Kirche von Westfalen in diesem Sommer aufgerufen, zu insgesamt acht von der Landeskirche vorgegebenen Themen Stellung zu beziehen. Dabei geht es beispielsweise darum, ob künftig Kinder auch vor der Konfirmation schon am Abendmahl teilnehmen und gleichgeschlechtliche Paare über die Segnung ihrer Partnerschaft hinaus auch eine kirchliche Trauung bekommen können. Die Synodalen in Minden sprachen sich für beide Änderungen gleichermaßen aus.
Keine Vorlage dieser Art, sondern ein bereits gültiger Beschluss der Synode ist, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis Minden künftig Dienstfahrräder bekommen können. Die Idee ist, dass Gemeinden für herkömmliche Fahrräder oder E-Bikes, die in den Jahren 2019 und 2020 für den Pfarrer beziehungsweise die Pfarrerin angeschafft werden, auf Antrag bis zu 2.000 Euro Unterstützung bekommen: Die Landeskirche und der Kirchenkreis fördern diese umweltfreundliche Entscheidung jeweils zur Hälfte mit einer Summe von jeweils bis zu 1.000 Euro.
Die nächste Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Minden findet statt am 22. November im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Hille.

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