In diesem Herbst ist es 25 Jahre her. Ich habe damals in einem Altenheim in der Nähe von Haifa in Israel gearbeitet und war erst ein paar Tage in dem für mich noch ganz fremden Land. Der Weg von meiner Arbeitsstäte zur Unterkunft führte abseits der beleuchteten Straßen über einen völlig im Dunkel liegenden Pfad. Ein bisschen unheimlich war das schon. Gleich am ersten Tag begegnete mir dort eine Gruppe von Männern, die sich lautstark unterhielten. Mir klopfte das Herz, als sie näherkamen. Dann grüßten sie freundlich: „Schalom“ – dieses eine Wort mit der tiefen Bedeutung: Friede sei mit dir. Ich will dir nichts Böses. Ich komme dir in freundlicher, friedlicher Absicht entgegen.

Der November ist für viele Menschen eine Herausforderung. Zum manchmal trüben Wetter und  der nach der Zeitumstellung so früh einbrechenden Dämmerung kommen die schweren Novemberthemen: Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt, die Erinnerung an die Menschen, die uns verlassen haben, die Trauer, die immer noch oder gerade jetzt in unserem Herzen wohnt. Und jetzt auch noch die Covid-Krise.  Und wir müssen da hindurch. Nicht immer ist der Weg beleuchtet und gut erkennbar.  „Schalom“ sagt Jesus: Friede sei mit euch. Ich komme euch entgegen auch auf dem Weg durch euer Novemberdunkel.  Ich komme in friedlicher Absicht. Ich will nichts Böses. Und er lädt uns ein, selber Friedensstifter zu werden, anderen, auch den Fremden, auf den ersten Blick Unheimlichen freundlich entgegenzugehen und ihnen den Gruß des Friedens zu entbieten. So wird die Angst besiegt und wir können fröhlich unserer Straße ziehen, der Dunkelheit zum Trotz.

Für mich sind aus jener abendlichen Begegnung mit Menschen in Israel viele wunderbare Begegnungen geworden, die großenteils geprägt waren vom Wunsch nach Versöhnung und Frieden. Gerne singe ich daher bis heute die hebräischen Lieder vom Frieden „Schalom Chaverim“ oder „Hevenu Schalom alejchem“ und erinnere mich dabei an jenen Gruß in der Nacht. 

Dass um den Frieden immer wieder mühsam gerungen werden muss, auf allen Ebenen, in der Familie, in der Gemeinde, im Verein, das habe ich gelernt auf den Weg durch die letzten 25 Jahre, aber auch dass es sich lohnt, weil Gott die Friedensstifter als seine Kinder ansieht.

Christian Marcus Weber

Christian Marcus Weber

Pfarrer, Evangelische Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen

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