Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum…..

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen: Auf die Weser und die Weserwiesen direkt hinter dem Pfarrhaus, auf die Tiere und Zugvögel, die dort gerade unterwegs sind. Beim Blick auf die Landschaft frage ich mich oft: Hat sich meine Sicht auf Gott und die Menschen verändert, seit ich auf dem Land wohne? Wenn ich  manchmal Tage habe, in denen viele unterschiedliche Dinge zu tun sind unter Zeitdruck, dann hilft mit der Blick in die Landschaft. Die Regelmäßigkeit von Abend und Morgen, vom Licht des neuen Tages und dem schönen Sternenhimmel nachts, der ganz ohne Straßenbeleuchtung so gut zu sehen ist. Abend und Morgen sind Gottes Sorgen. Nun ist es leicht beim Beschreiben des Lebens auf dem Land in Klischees abzugleiten und eine Idylle zu beschreiben. Müsste man nicht die immer noch schwindenden Einwohnerzahlen (und damit auch Kirchenmitgliederzahlen) und die oft fehlende Infrastruktur erwähnen? Auch das gehört zum Leben auf dem Lande. Aber dann, gerade beim gemeinsamen Versuch, das Leben in den Dörfern  lebenswert zu erhalten, gibt es diese große Stärken des Lebens auf dem Land: Verbindlichkeit und Vertrauen. Wenn ich vor einer Haustür stehe, dann fällt mir ein, wann ich hier die letzten Male war: Zu den verschiedene Lebensereignissen in der größeren Familie, zu Taufe, Geburtstag,  Ehejubiläum, Trauer. Und dann schaue ich in freundliche Gesichter, wir kennen uns, und es ist mit den Jahren Vertrauen gewachsen. Das trägt mich und gibt mir Mut für mein tägliches Tun. Man achtet aufeinander, in der Nachbarschaft, ruft  bei der alten Nachbarin an, um zu fragen, wie es geht. Das gilt übrigens auch für Neuzugezogene und Neuankömmlinge. Dass ein kleines bisschen Neugier auch dabei ist- geschenkt. Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum. Dieser Bibelvers aus Psalm  31 passt zu meinem Blick aus dem Fenster. Du, Gott, stellst meine Füße auf den weiten Raum von Vertrauen zu dir und den Menschen. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und vielleicht einen schönen Spaziergang in der winterlichen Landschaft!

Mirjam Philipps

Mirjam Philipps

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Windheim

Der Bibelsonntag

Der Bibelsonntag

 

Weltknuddeltag, Welttag der Jogginghose, Tag der Komplimente – fast jeder Tag ist ein besonderer Tag, manchmal zum Schmunzeln, manchmal zum Nachdenken, manchmal weltweit bedacht. Der Bibelsonntag ist ein solcher Tag, der Christen in aller Welt wichtig ist. Dabei sollte eigentlich jeder Tag ein Bibeltag sein, Sonntage  mit ihren Gottesdiensten sowieso. In meinem Regal finden sich eine ganze Reihe von Bibeln. Manche sind eingestaubt, denn sie sind schwer verständlich, die Schrift alt und mühsam zu lesen. Zum Glück gibt es auch neuere Bibelübersetzungen, die in heutigem Deutsch geschrieben sind. In der einen finden sich Erklärungen zum Text, in einer anderen sind schöne Bilder zu einzelnen Geschichten. Beim Blättern fallen mir einzelne Bibelverse ins Auge. Manche habe ich unterstrichen, bei einigen steht eine Notiz am Rand. Diese Bibel begleitet mich schon lange. Immer wieder sind mir neue Bibelverse wichtig geworden. An diesem Wochenende ist es das Wort des Bibelsonntags, es geht um Christus, „der mir die Kraft gibt, die ich brauche.“. Das Besondere  der Bibel ist für mich, dass die Menschen ihren Alltag mit allen Höhen und Tiefen erleben. Sie feiern und freuen sich, sie sind enttäuscht und mutlos, sie gründen Familien, führen Kriege, sie erleben Tod und Elend und sind im Auftrag des Herrn unterwegs. Sie klagen Gott ihr Leid, sie jammern und stöhnen. Sie tanzen vor Freude und bedanken sich überschwänglich bei Gott. Sie erfahren in ihrem Leben, dass Gott ihnen die Kraft gibt, die sie brauchen, wenn sie sich an Gott wenden. Manchmal vergesse ich das in meinem Alltag. Mir sind viele Bibeltexte vertraut, ich gucke nicht mehr so genau hin. Der Bibelsonntag ist mir deshalb wichtig, die Bibel ist mir wichtig. Sie zeigt, wie Gott sich den Menschen bekannt gemacht hat, sie zeigt die große Liebe Gottes zu uns. Mein Horizont weitet sich, ich sehe wieder die unterschiedlichen Seiten Gottes. Das gibt mir Kraft für meinen Alltag, weil ich weiß, Gott ist auch heute da.

 

Kündet allen in der Not, fasset Mut und habt Vertrauen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Mitchristen!
Mit diesen Worten aus einem Kirchenlied, die aber dem biblischen Buch Jesaja entstammen (vgl. Jes 35, 1-10), überschreibt Erzbischof Hans-Josef Becker seinen Brief, der in diesen Tagen jeden Haushalt im Erzbistum Paderborn zugesandt wurde, in dem ein katholischer Christ oder eine katholische Christin lebt. Erzbischof Becker nimmt die Veröffentlichung der „MHG-Studie: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker“ zum Anlass, zu Beginn des neuen Jahres sich in diesem sehr persönlichen Brief, – einem nicht alltäglichen Vorgang-, direkt an die Gläubigen im Erzbistum zu wenden. Nicht nur unseren Erzbischof und die Christen in unserem Land, viele Menschen haben die Ergebnisse der Studie erschreckt und zu tiefst erschüttert, vor allem in Ihrem Vertrauen zu der Institution Kirche und ihrer Vertreter. Der Erzbischof schreibt dazu: „Durch Vertuschung und Verdrängung hat die Kirche […] jahrzehntelang schwere Schuld auf sich geladen. Als Kirche sind wir unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen oft nicht gerecht geworden.“ In dieser tiefen Krise gilt es nun Vergangenes intensiv und nachhaltig aufzuarbeiten und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Das Erzbistum Paderborn hat seit 2010 dazu einige entscheidende Schritte eingeleitet. Dazu zählen eine umfassende Präventionsarbeit in Form verpflichtender Schulungen aller Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt und eine Aufarbeitung aller bekannten Fälle, in denen sich Kleriker des Erzbistums Paderborn im Umgang mit Minderjährigen schuldig gemacht haben. Zudem gibt Erzbischof Becker an, dass den staatlichen Ermittlungsbehörden Zugang zu allen angefragten Unterlagen verschafft wurde.
Die Entwicklung der vergangenen Monate im Zusammenhang mit der „Missbrauchsstudie“ hat vielen Menschen in unserem Land, auch mir als
katholischen Geistlichen noch einmal vor Augen geführt, dass die Kirche, keine unangreifbare und unfehlbare Institution ist, sondern als die Gemeinschaft der Glaubenden, eine Gemeinschaft von Menschen mit all ihren Schwächen und ihrem Versagen ist. In der katholischen Kirche gibt es viele Heilige: Menschen, die sich stetig und selbstlos für Arme, Schwache und Hilfsbedürftige einsetzen und die aus den tiefen Quellen des Glaubens leben und Zeugnis davon geben. Ebenso gibt es in ihr aber auch Menschen, die sich schuldig gemacht und anderen unglaubliches Leid zugefügt haben.
An diesem Sonntag begehen die Christen in unserer Stadt Minden das Fest „Taufe des Herrn“, das an die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer erinnert. Mit Jesus ließen sich viele Menschen von Johannes taufen: Sünder wie Gerechte, Heilige wie auch Schufte, Gute und weniger Gute. Jesus steht mitten unter ihnen, als einer von ihnen und doch als der ganz andere: als jener, der selbst ohne Schuld ist, aber als menschgewordener Sohn Gottes, – wahrer Mensch und wahrer Gott-, die Schuld der Welt auf sich nehmen wird. Versuchen wir in diesen verwirrenden Zeiten erneut in IHM Mut zu fassen und Vertrauen zu finden, dass es sich lohnt, diesem Jesus Christus in unserem Leben im Glauben nachzufolgen.
In besten Wünschen für das neue Jahr 2019 grüßt Sie,

David F. Sonntag

David F. Sonntag

Pastor am Dom Minden