Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

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Die ersten Anzeichen der Infektion spürt man kaum, schon nistet sich das Virus in den Gedanken ein: „Warum wird bei Straftätern nie die wirkliche Herkunft genannt?“ „Dass die Jungen immer so viel feiern müssen und auf niemanden Rücksicht nehmen!“ „Diese Raser sollten alle mal die Härte des Gesetzes spüren!“ Wie ein Nebel legt sich die Verachtung auf unsere Gedanken und auf unsere Augen, mit denen wir die Welt betrachten: „War ja klar, dass sich das so entwickelt.“ – „Was soll da schon Gutes rauskommen?“ Mit diesen Pauschalierungen stecken wir einander an und das Virus schleicht weiter. Die Menschen, über die wir uns erheben, zählen dann nicht mehr als Person, nicht mehr als Mitglieder der Gesellschaft. Ihr schlechtes Tun, ihr Untergang, ihr Verlust sind schon einkalkuliert und wenn es dann so kommt, dann wussten wir ja schon, dass es so kommen musste.

Schon bei Kain und Abel begann der Streit vor dem ersten Mord mit Verachtung. Seitdem hat dieser Virus die Welt nicht mehr losgelassen. Selbst fromme Menschen sind nicht immun. So erzählt Jesus im Lukasevangelium Kapitel 18 ein Gleichnis von einem Mann, der zum Tempel nach Jerusalem kommt und wie folgt – in seinen Gedanken – betet: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner (neben mir).“ Jesus erzählt dann von einem zweiten Mann, dem Zöllner, der daneben steht und wie folgt betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Das zweite Gebet wird erhört, sagt Jesus, weil Gott jeden freundlich und ohne Verachtung anschaut und sich über jeden freut, der zu ihm (zurück) kommt und seinen Virus der Verachtung loswerden möchte. Nur die Liebe, die Jesus vorgelebt und ausgestrahlt hat, kann meine Haltungen und Einstellungen überwinden. Jesu Liebe ging so weit, dass er sogar für seine Feinde gestorben ist. Seit er auferstanden ist, ist für alle klar, dass diese Liebe gewonnen hat! Ich hoffe darauf, dass sich diese Liebe immer weiter ansteckend ausbreitet.

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden

Sünnematten abgesagt?!

 Sünnematten abgesagt ?!

Wie vieles andere hat auch das in dieser Woche nicht stattgefunden: Sünnematten! Der plattdeutsche traditionelle Ausdruck dafür, dass Kinder im Gedenken an St. Martin an den Haustüren singen, um Menschen Freude zu machen und Süßigkeiten einsammeln. Oder gut evangelisch „Martin-Luther-singen“. Der Reformator trägt nicht zufällig den gleichen Namen: Sein Geburtstag liegt einen Tag vor dem Namenstag des wohl (neben dem Nikolaus) auch außerhalb katholischer Tradition bekanntesten Heiligen. Und das zu Recht, denn die Legende, dass St. Martin seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, ist ein schönes Symbol über alle Konfessionsgrenzen hinweg.

Nun das Singen entfiel, wie auch an vielen andern Stellen – bei Chören, in Kirchen oder in Stadien. Und das stellt sicher im Vergleich zu solchen und andern ausfallenden Aktivitäten den kleineren Verlust dar. Vielleicht auch für die Zuhörer. Das manchmal mehr gebrüllte „Martin Luther singen wir ….“ hab ich nicht immer als Genuß erlebt. Und der geringere Süßigkeitenkonsum der Kinder hat auch sein Gutes.

Aber darüberhinaus überlege ich, ob der Verzicht auf etwas, wie eine Tradition, die sich ziemlich von ihren Wurzeln entfernt hat, nicht auch ein Gewinn sein kann. Wenn man dadurch nämlich wieder neu nach dem fragt, was es (mir) eigentlich bedeutet. Das ist hier der beide Martins verbindende biblische Gedanke, der in dem Jesuswort konkret wird: Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, dass habt ihr mir getan. Das heißt: Die Liebe Gottes realisiert sich in dem, wie wir einander Liebe zeigen. Und das geht nicht nur durch den Austausch von mehr oder weniger schönen Liedern und Süßwaren Das geht auch unter Coronaregeln, anders, nicht unbedingt schlechter. Warum nicht durch einen gebastelten Gruss für die Menschen nebenan oder in konkreter HIlfe für Notleidende, die weiter weg uns doch nah sind…

Dann eben Nikolaussingen? Alles nicht planbar! Ich bin skeptisch, hoffe eher, dass wir zu Weihnachten wenigstens draußen wieder singen können. Doch wenn nicht, kann auch das Anregung sein, zu überlegen, was Weihnachten abgesehn von den vertrauten Liedern (uns) bedeutet.

Andreas Wilmsmeier

Andreas Wilmsmeier

Pfarrer, Ev. luth. Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen

Selig sind die Friedensstifter, den sie werden Gottes Kinder heißen….

In diesem Herbst ist es 25 Jahre her. Ich habe damals in einem Altenheim in der Nähe von Haifa in Israel gearbeitet und war erst ein paar Tage in dem für mich noch ganz fremden Land. Der Weg von meiner Arbeitsstäte zur Unterkunft führte abseits der beleuchteten Straßen über einen völlig im Dunkel liegenden Pfad. Ein bisschen unheimlich war das schon. Gleich am ersten Tag begegnete mir dort eine Gruppe von Männern, die sich lautstark unterhielten. Mir klopfte das Herz, als sie näherkamen. Dann grüßten sie freundlich: „Schalom“ – dieses eine Wort mit der tiefen Bedeutung: Friede sei mit dir. Ich will dir nichts Böses. Ich komme dir in freundlicher, friedlicher Absicht entgegen.

Der November ist für viele Menschen eine Herausforderung. Zum manchmal trüben Wetter und  der nach der Zeitumstellung so früh einbrechenden Dämmerung kommen die schweren Novemberthemen: Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt, die Erinnerung an die Menschen, die uns verlassen haben, die Trauer, die immer noch oder gerade jetzt in unserem Herzen wohnt. Und jetzt auch noch die Covid-Krise.  Und wir müssen da hindurch. Nicht immer ist der Weg beleuchtet und gut erkennbar.  „Schalom“ sagt Jesus: Friede sei mit euch. Ich komme euch entgegen auch auf dem Weg durch euer Novemberdunkel.  Ich komme in friedlicher Absicht. Ich will nichts Böses. Und er lädt uns ein, selber Friedensstifter zu werden, anderen, auch den Fremden, auf den ersten Blick Unheimlichen freundlich entgegenzugehen und ihnen den Gruß des Friedens zu entbieten. So wird die Angst besiegt und wir können fröhlich unserer Straße ziehen, der Dunkelheit zum Trotz.

Für mich sind aus jener abendlichen Begegnung mit Menschen in Israel viele wunderbare Begegnungen geworden, die großenteils geprägt waren vom Wunsch nach Versöhnung und Frieden. Gerne singe ich daher bis heute die hebräischen Lieder vom Frieden „Schalom Chaverim“ oder „Hevenu Schalom alejchem“ und erinnere mich dabei an jenen Gruß in der Nacht. 

Dass um den Frieden immer wieder mühsam gerungen werden muss, auf allen Ebenen, in der Familie, in der Gemeinde, im Verein, das habe ich gelernt auf den Weg durch die letzten 25 Jahre, aber auch dass es sich lohnt, weil Gott die Friedensstifter als seine Kinder ansieht.

Christian Marcus Weber

Christian Marcus Weber

Pfarrer, Evangelische Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen

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