Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

So schmeckt das Leben

Vom Essen, Jesus und den Wundern, die dann passieren…

 

Essen finde ich gut. Pistazieneis. Spaghetti. Schokoladenkäsekuchen mit Salzbrezeln (klingt eklig, ist aber extrem lecker).

Keine Ahnung, was Jesus gerne gegessen hat. Aber dass er gerne gegessen hat, davon erzählen viele Geschichten in der Bibel. Am liebsten hat Jesus mit anderen am Tisch gesessen. Seine Gästeliste fanden die frommen Leute manchmal nicht gut. Da waren nämlich auch Gauner dabei, Leute mit schlechtem Ruf und arme Socken.

Wenn die vom Essen mit Jesus aufgestanden sind, dann waren sie nicht nur satt. Sondern hatten was davon gemerkt, dass Gott sie liebt. Dass sie dazu gehören. Und dass das Leben gut schmecken kann. Nach solchen Essen passierten manchmal verrückte Sachen. Z.B. als Zachäus der Zöllner das Geld zurückgab, das er den Leuten zu viel abgeluchst hatte, und dann einfach mit Jesus mitging.

Manchmal beten wir vor dem Essen: Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast. Und sagen damit: Jesus, wir stellen uns vor, du sitzt jetzt mit am Tisch. Lass das Wunder passieren, dass wir nicht nur satt werden. Sondern, dass wir was davon merken, dass Gott uns liebt. Dass wir dazu gehören. Und dass das Leben gut schmecken kann.

Das Wunder passiert immer noch. Besonders, wenn die Gästeliste schön bunt ist. Was es zu essen gibt, ist dann gar nicht so wichtig. Dass wir teilen, was wir haben, dass wir uns zuhören und dass wir uns gegenseitig was von Gottes großer Liebe merken lassen, das ist wichtig. Dabei ist Jesus gerne zu Gast. Und dann schmeckt das Leben.

An diesem Sonntag ist übrigens Gemeindefest rund um die Thomaskirche. Geht um 11:00 Uhr los. Vielleicht gibt´s ja sogar Schokoladenkäsekuchen mit Salzbrezeln …

Catharina Bluhm

Catharina Bluhm

Pfarrerin, Kirchengemeinde St. Simeonis - St. Thomas

Warten auf Besuch

Es ist Samstagvormittag und wir warten!

Warten… wie oft wird doch in einem Alten- und Pflegeheim gewartet:

Warten auf die Pflege, warten auf das Essen und auf einen lang ersehnten Besuch.

Heute lohnt sich das Warten, denn die Kinder aus dem Albert-Schweitzer-Haus samt Pfarrer und jugendlichen Betreuern kommen zu Besuch.

Es wird ein herzliches und quirliges Miteinander! Wir singen und schmunzeln über die Andacht, in der die Jugendlichen auf humorvolle Weise das Miteinander zwischen Jung und Alt bedenken.

Dann vertiefen wir uns ins gemeinsame Spiel:

Der Saal füllt sich mit gespannten und fröhlichen Gesichtern. Erleichtertes Seufzen ist zu hören, wenn man sich beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ nicht ärgern muss. Entzückte Rufe mischen sich ins fröhliche Gemurmel, wenn die Glasmurmeln das Tor finden oder sich auf der weißen Tischdecke die Schätze aus Großmutters Knopfkiste zu einem Kunstwerk vollenden.

Der Alltag mit all den Anforderungen und Sorgen wird für einen Moment vergessen und das Leben fühlt sich leicht an.

Zwischendurch habe ich das Gefühl, als würden sich die Worte, die wir in der Andacht bedacht hatten, für einen kurzen Moment mit Leben füllen.

Im Buch Sacharja spricht Gott in einem Heilswort zu seinem Volk:

„Es sollen hinfort wieder sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen“.

Fröhliche Kinder, die unbeschwert spielen und alte Menschen, die vergnügt zuschauen und sich nicht um ihren Lebensabend sorgen!

Was für eine große visionäre Kraft steckt doch in diesen alten Worten!

Sie inspirieren und laden ein zu einem herzliches Miteinander der Generationen. „ Aufstehn, aufeinander zugehn und voneinander lernen“ wie es in einem modernen Kirchenlied heißt, damit unsere Kinder vom Lebensreichtum älterer Menschen erfahren und in den Heimen nicht vergebens  gewartet wird

Eva Binder

Eva Binder

Pfarrerin im Kirchenkreis Minden u.a. in der Altenheimseelsorge tätig

Mit der Bibel in der Hand

„Ich möchte auf den Apostel Paulus und seine klare und weise Anordnung im Brief an die Römer 13 verweisen, wonach die Gesetze der Regierung befolgt werden müssen, weil Gott die Regierung zu seinen Zwecken eingesetzt hat.“ Das sind die Worte, mit denen ein amerikanischer Minister die Praxis verteidigt, illegal eingewanderte Familie auseinanderzureißen, minderjährige Kinder von ihren Eltern zu trennen.

„Den Angeklagten wird Geschlechtsverrat vorgeworfen in Verstoß gegen Römer Kapitel 1 Vers 26.“ Das sind die Worte, mit denen ein amerikanischer Staatsanwalt einen sehr kurzen Prozess gegen zwei Frauen eröffnet, die in einer illegalen, homosexuellen Liebesbeziehung miteinander leben.

Zwei Szenen. Die eine bittere Realität, die andere düstere Zukunftsvision. Eine davon wurde von der amerikanischen Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders mit den Worten kommentiert: „Es ist sehr biblisch, das Gesetz anzuwenden.“ Welche der beiden Szenen sie damit meinte, das tut fast nichts mehr zur Sache.

Das erste Zitat stammt von Jeff Sessions, dem derzeitigen Justizminister unter Präsident Donald Trump. Das zweite aus einer Folge der Serie „Der Report der Magd“, basierend auf dem gleichnamigen Zukunftsroman der letztjährigen Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels, Margret Atwood. Der Roman schildert die Gedanken einer Frau, die in nicht allzu ferner Zukunft in einer von christlichen Fundamentalisten geleiteten Diktatur auf amerikanischen Boden lebt. Frauen haben dort keine Rechte mehr, keine Freiheiten. Die wenigen unter ihnen, die nach etlichen Naturkatastrophen noch schwanger werden können, werden von der Oberschicht als regelrechtes Zuchtvieh genutzt, um für sie Kinder zu zeugen, ganz nach dem biblischen Vorbild von Rahels Magd Bilha aus dem 1. Buch Mose 1,1-3. Lesbische Frauen gelten in diesem Staat als „Geschlechtsverräterinnen“, die ausgemerzt werden müssen. All das wird mit der Bibel in der Hand begründet.

Wem das zu weit hergeholt, abwegig, ja empörend erscheint, der führe sich unsere Realität vor Augen, in der hohe amerikanische Würdenträger tatsächlich mit der Bibel in der Hand das Handeln ihrer Regierung rechtfertigen wollen; in der christliche Fundamentalisten schon im Münster der Reformationszeit vor fast 500 Jahren einen christlichen Gottesstaat aufbauten und mit der Bibel die Mehrfrauenehe und Hinrichtungen von Abweichlern begründeten. Das sollte für uns das wirklich empörende und furchteinflößende sein: die Heilige Schrift als Argument missbraucht zu sehen – für den eigenen Machterhalt, für die Unterdrückung anders denkender und anders lebender Menschen. Mit der Bibel in der Hand sollte niemals menschliche Grausamkeit und Unterdrückung begründet, sondern göttliche Gnade und Freiheit verkündet werden.

Marc Bergermann

Marc Bergermann

Pfarrer in der Ref. Petri-Kirchengemeinde Minden