Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Wenn Gott Fragen stellt

Durch den Morgendunst ist das Ufer kaum zu sehen. Sieben Männer mühten sich in dieser Nachtschicht ab und der Ertrag kann einem die Tränen in die Augen treiben: Nichts gefangen – kein einziger Fisch ist ins Netz gegangen. Waren die Fische doch wieder schlauer.

Vom Ufer aus unterbricht eine Frage den Morgen: „Habt ihr etwas Belag für mein Brot?“. Selbst wenn sie wollten, die Männer können nichts teilen. „Nein“ rufen sie zurück. Darauf kommt vom Ufer her der Vorschlag, das Netz auf der anderen Seite des Bootes auszuwerfen. „Wieder so ein Spezialist, der alles weiß, aber nicht bei uns im Boot bei der Arbeit ist“ werden die Männer gedacht haben. Sie folgen dem Rat des Unbekannten und machen einen unglaublichen Fang. Dabei stellen sie mit Erstaunen fest, dass sie vor fast genau drei Jahren diese Erfahrung schon einmal gemacht haben: Damals haben sie nach dieser Erfahrung beschlossen, diesem Jesus zu folgen und zu schauen wohin dieser Weg sie führt. Vor wenigen Tagen dann ist dieser Weg sehr abrupt zu Ende gegangen. Jesus ist grausam hingerichtet worden. Es war so schlimm, dass sie sich das nicht aus der Nähe ansehen wollten. Sie waren sich nur sicher: Jesus ist tot.

Nun erleben sie ihre Anfangszeit mit Jesus wie in einem Déjà-vu. Kann das sein? Sind die eigenen Sinne schon so getrübt? Bilden wir uns das alles ein? Es kann doch nicht sein, dass Jesus wieder da ist, wie kann er vom Tod zurückkommen?

Der auferstandene Jesus fängt mit seinen Jüngern ein ganz normales Frühstücksgespräch über belegte Brote an, ganz behutsam redet er mit ihnen bis sie es wirklich glauben und wissen können: Jesus ist wirklich auferstanden und es geht weiter!

Der auferstandene Jesus möchte auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Nutzen sie doch einen der nächsten Gottesdienste, um ihm eine Frage zu stellen oder sich von ihm eine Frage stellen zu lassen. Vielleicht kommt ihnen dabei ein besonderer Impuls, oder ein Lied berührt sie ganz besonders, oder wir kommen miteinander ins Gespräch über unsere Erlebnisse mit dem Auferstandenen – das wünscht Ihnen

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor in der Evangelisch Freikirchelichen Gemeinde Minden

Festmachen

In dieser Wochen findet in vielen evangelischen Kirchen die Konfirmation statt, was der Firmung in der katholischen Kirche entspricht. Das in beiden Begriffen enthaltene Fremdwort meint so etwas wie. Mit ihrem Ja sollen die Konfirmanden bei dem Gott, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat, festmachen. Nun kann man fragen wie fest die Jugendlichen mit dem Glauben verbunden sind. Es kursiert ja der Witz, dass ein Pfarrer mit einem andern über das Problem der Fledermäuse im Kirchturm spricht. Machs wie ich, sagt der Kollege, ich hab sie konfirmiert da sind sie ausgeflogen und nicht wiedergekommen.
Mal ganz davon abgesehen, dass es gut ist, Fledermäusen Obdach zu geben, mache ich auch mit meinen derzeitigen Konfirmanden andere Erfahrungen. Natürlich sind die meisten angesichts eines gut gefüllten Terminkalenders froh, nun wieder etwas mehr Freiheit zu haben. Aber viele kommen weiter begeistert zur Andacht im Jugendtreff (bei der mehr gesungen wird als im „normalen“ Gottesdienst). Und fast die Hälfte sagt, dass sie sich auch über die Konfirmation hinaus in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde einbringen möchten und haben Interesse, an der Basisschulung des Kirchenkreises mitzumachen. Deutlich wird, dass viele heutige Jugendliche sich gern engagieren, wenn sie spüren, ihre Interessen und Meinungen werden ernstgenommen.
Natürlich ist diese Begeisterung, wie auch ihr Glaube schwankend. Aber das gilt sicher nicht nur für Jugendliche. Der Glaube ist wie ein Boot, das oft in den Wellen des Lebens hin-und hergeworfen wird. Aber genau darum ist es gut, dieses Boot immer wieder wie an einem Poller an der Kaimauer festzumachen, dann aber auch wieder loszufahren und Entdeckungen zu machen. Und dieser Poller ist das Ja, das Gott uns in Jesus zuspricht: Ja ich liebe dich und will dir Halt in schwierigen Zeiten geben. Ich habe Interesse daran, dich durch dein Leben zu begleiten (hier kommt das Bild sicher an seine Grenze). Ich wünsche nicht nur meinen Konfirmanden, sondern uns allen, dass wir dies immer wieder auch vermittelt in der Kirche erleben: Da ist ein Gott, der Interesse an uns hat. Und das wir gern bei ihm“festmachen“, Ja zu seinem Angebot sagen.

Andreras Wilmsmeier

Andreras Wilmsmeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Hartum - Holzhausen

Einzug in Jerusalem

Er ist bei weitem nicht so dumm, wie man ihn schimpft, und gilt doch als Inbegriff der Genügsamkeit. Er frisst, was wächst, zieht Nahrung selbst aus Disteln und bedarf, so scheint es, weiter keiner Pflege. Wenn man ihm nur dann und wann ein Stück Brot reicht, das er mit samtweichen Lippen und größter Vorsicht vom Handteller nimmt und mahlend zerkaut – dann ist er das glücklichste Tier von der Welt. Sie ahnen längst – der Esel ist gemeint.

Der Esel war und ist in vielen Gegenden der Welt noch heute  der anspruchslose, pflegeleichte Kleintransporter der Armen. „Der Esel braucht Futter, den Stock und seine Last“ – heißt es  etwas abfällig bei Jesus Sirach. Der Verfasser dieses apokryphen Bibelbuches scheint Esel nicht wirklich zu mögen. Vielleicht hat er noch nie einem in  die zutraulichen Augen geblickt, ihm über das blau-graue Fell gestreichelt oder und sich über das witzige Zwinkern seiner Ohren gefreut.

Auf einem Esel reitet Jesus in Jerusalem ein. Die Menschen begrüßen ihn jubelnd und halten ihm grüne Zweige der Hoffnung hin. Daher hat unser Palmsonntag seinen Namen. Dass Jesus den Esel wählt,  hat dabei tiefen Sinn. „Es ist reine Gnade, Sanftmut und Güte, was hier von Christus gezeigt wird“ – sagt Luther zu dieser Stelle: „Er reitet nicht auf einem Hengst, der ein kriegerisches Tier ist. Jesus kommt nicht in schrecklicher Pracht und Gewalt, sondern sitzt auf einem Esel, unstreitig ein Tier, nur zur Last und Arbeit bereit, dem Menschen zu helfen. Damit zeigt er an, wie Christus kommt, nicht um den Menschen zu schrecken oder ihn zu unterdrücken, sondern ihm zu helfen und bereit, seine Last zu tragen und auf sich zu nehmen.“

Deshalb also reitet Jesus auf dem Esel in Jerusalem ein, um zu zeigen: Er ist an der Seite der Armen. Und er nimmt die Last der Bedrückten auf sich. Er will uns nicht von oben herab begegnen, vom hohem Ross herab, sondern von unten her, als einer, der mir tragen hilft. All das, womit ich mich abschleppe in meinem Alltag, will Jesus auf sich nehmen. Deshalb gehört der Esel in die Passionsgeschichte.  Beim Propheten Sacharja heißt es daher:

„Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem jauchze! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“

Einen gesegneten Palmsonntag und eine nachdenkliche Karwoche.

Christian Marcus Weber

Christian Marcus Weber

Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen