Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Zeichen

Ich biege um die Ecke und sehe auf der Strasse drei aufgemalte Kreidepfeile, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Ganz kurz bin ich versucht, mich an der Schatzsuche zu beteiligen, aber diese Zeichen sind ja nicht für mich. Auf allen Kindergeburtstagen war das der Höhepunkt: Die Schatzsuche, gerne auch schon in der Dämmerung. Dann am Ende die Berichte über die Abenteuer, die man erlebt hat, der Streit über nicht eindeutige Zeichen und die Freude über den doch noch gefundenen Süßigkeitenschatz.
Auch Jesus Christus lädt zu einer Entdeckungsreise ein, wenn er von sich sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Johannesevangelium 14,6). Doch wo finden wir Hinweise für unsere spirituelle Schatzsuche? Müssen wir uns aufmachen, geheimnisvolle Zeichen und Symbole zu deuten, wie in einem Roman von Dan Brown?
Ich bin überzeugt, die Antwort liegt in der Person von Jesus Christus selbst. Im Neuen Testament wird beschrieben, dass Jesus selbst das Zeichen Gottes ist. Wer sich mit Jesus Christus, seinem Leben und seinen Worten beschäftigt, kann einen persönlichen Zugang zum Glauben finden.
Jesus benutzte unglaublich viele Gleichnisse, um Gottes Wesen und geistliche Dinge zu beschreiben. Oft sind es Gleichnisse aus der Natur: Da wächst das Reich Gottes einfach so und seine Liebe setzt sich durch. Und auch als langjähriger Christ höre ich nicht auf, mich zu fragen: Wo wirkt Gott heute in meinem Alltag? Wo kann ich entdecken oder zumindest erahnen, wo Gott am Werk ist?
In der nächsten Woche haben wir als Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Minden vierzehn amerikanische Trainer und Sportler für das Baseballcamp zu Gast. Neben allem Spiel, Sport und Spaß machen wir uns mit ihnen und den einhundert angemeldeten Kindern auf den Weg, um Beispiele aus der Welt des Sports mit Bibeltexten zu verbinden. Unsere amerikanischen Gäste haben große Freude daran, Beispiele aus dem Baseball auf den normalen Alltag und das Leben als Christ zu übertragen.
Manche Zeichen Gottes entdecke ich zusammen mit anderen Menschen. In den Gesprächen und Glaubenskursen der Gemeinde sind es immer wieder ganz besondere Höhepunkte, wenn wir im Gespräch entdecken: Da hat Gott dir ein Zeichen gesetzt, dort hast du Gottes Liebe gefühlt, da hat er dich getröstet, bewahrt und geholfen.

Viel Freude beim Suchen, deuten und finden wünscht

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Minden

Was für ein Vertrauen….

„Was für ein Vertrauen“  (2. Könige 18,19) lautete das Motto für den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Worin gründet die christliche Gemeinde eigentlich ihr Vertrauen? Das können wir wohl mit gutem Recht fragen. In einer Welt, wo Vertrauen immer wieder enttäuscht, ja missbraucht wird, haben wir es ja nicht einfach, von Vertrauen zu reden. Selbst die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen hat gerade in den letzten Jahren einen hohen Vertrauensverlust erfahren. Menschen wenden sich von ihr ab aus Enttäuschung, aber auch, weil sie ihnen keine Antworten auf die Probleme dieser fragwürdigen Welt zu geben scheint. Vertrauen wurde und wird auch immer wieder missbraucht, da wo Starke und Mächtige ihre Macht gegenüber Schwächeren missbrauchen. Warum sollte der Evangelische Kirchentag also noch von Vertrauen reden? Wer bei allen Enttäuschungen und Ängsten genau hinhört, der vernimmt hinter allen Zweifeln und Ängsten die Stimme des Mannes aus Nazareth, der sich immer wieder Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen als Fels in der Brandung, als Hoffnung in der höchsten Not erweist. An ihm richten Christenmenschen ihr Vertrauen und ihre Hoffnung aus.  In unsere von vielen Ängsten geprägte Vertrauenskrise, ruft er uns auch heute aus dem Sturm der Zeit zu: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben, kein Vertrauen?“ (Markus 4,40)  Jesus wusste und weiß, wie es um seine Anhänger bestellt ist. Sie werden von den heranrollenden Wellen katastrophaler Ereignisse und Pressemeldungen in ihrer Angst und ihrem Misstrauen hin und hergeworfen. Aber sich ganz von der Angst bestimmen zu lassen, geht wohl daneben. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass, wenn die Angst in bestimmten Regionen unseres Denkorgans sinkt, das Vertrauen zunimmt. Unser Vertrauen wird also größer, wenn die Angst sich verringert. Wenn die Angst aber zu groß ist, lähmt sie uns und macht uns blind hinsichtlich notwendiger Veränderungen in unserer Welt. Allerdings, darauf wird auch hingewiesen, ist ohne ein bisschen Angst auch kaum Vertrauen möglich. Was für ein Vertrauen. Vertrauen lässt auch neue Beziehungen von Mensch zu Mensch entstehen. Wenn es uns gelingt, gemeinsam die Vertrauenskrise zu überwinden und Zeichen der Zuversicht zu setzen, können wir befreiter aufspielen. Nur wer bereit ist, immer wieder anderen Menschen Vertrauen zu schenken, empfängt auch Vertrauen.

Ralf Wagener

Ralf Wagener

Pfarrer, am Leo-Sympher-Berufskolleg in Minden

Kirchentag in Dortmund
Liebe Leserin und lieber Leser,
nun ist der Kirchentag in Dortmund auf der Zielgeraden, der morgen mit dem Abschlussgottesdienst im Fußballstadion endet.
Über 100.000 Menschen nehmen an insgesamt etwa 2.200 Veranstaltungen in diesen Tagen teil und die Gemeinden der Reformationsregion Minden sind kräftig dabei. Mitgereist zum Eröffnungsabend sind die Gutenbergpresse der Erlöserkirche, Tookula, der große junge Chor der Christuskirche, der so wie das Oratorium Jeremia aus Marien auch an Abendveranstaltungen am Donnerstag mitwirkte. Auch „Jünger unterwegs“, die Jugendarbeit des Kirchenkreises, säumte das Auftaktstraßenfest wie vier Salem-Diakonissen, die mit einem Teil des großen Teams der Klinik- und Altenheimseelsorge lecker belegtes Schwarzbrot aus Hille gereicht haben, begleitet von Straßenmusik durch Pit Witt und sein Ensemble rund um Anton Sjarov.
Was treibt alle Menschen an, dorthin, ist Kirche nicht out? ‚Was für ein Vertrauen‘ ist das Motto. Im Alten Testament ist das die Frage eines an seine große Streitmacht glaubenden Königs an den scheinbar kleinen König in Israel, was ihm denn sein Gottvertrauen nütze?
Die Anzeichen sind auch heute überall sichtbar, dass in der Welt das Recht des Stärkeren siegt, dass der Hass sich verbreitet und die Umweltzerstörung. Der Kirchentag lädt die Mächtigen, auch die Ungläubigen immer wieder ein, die Frage zu diskutieren, ob sich inneres Vertrauen, genannt Glaube, nicht trotzdem lohnt. Und er gibt eine beeindruckende Antwort. Es gibt keine mehrtätige Großveranstaltung in Deutschland, die so frei von auch nur verbaler Gewalt, nachhaltig fast ohne Müll und fröhlich dabei abläuft. Da das, was uns Angst macht, es immer in die Medien schafft, ist es besonders, wenn angstfrei Menschen sichtbar aufeinander treffen, die sich gehalten wissen (,übersetzt „religiös“). Gebunden und untereinander verbunden durch innere Werte, bescheiden statt aufgeblasen, dankbar wo andere stets mehr wollen. Ist die Welt am Ende? Nicht solange es so viel Vertrauen gibt.

Oliver Vogelsmeier

Oliver Vogelsmeier

Pfarrer u. Klinikseelsorger im Johannes Wesling Klinikum