Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Wo gehöre ich hin?

In dieser Woche wird die Frage neu beantwortet. Die Evangelische Allianz, zu der weltweit viele Kirchen gehören, lädt zur Allianzgebetswoche ein. In mancher Kirche heißt es in diesen Tagen: „Zumindest heute Abend gehören Sie hierhin, in unsere Kirche. Wir heißen Sie als Gäste ganz unterschiedlicher Kirchen willkommen!“ Es ist erstaunlich, wie viele Kirchen es in Minden gibt. Neben dem altehrwürdigen Dom und den vielen traditionellen evangelischen Kirchen gibt es eine Vielzahl von Gemeinden, die jüngste gerade mal ein Jahr alt. In Kirchen, alten Supermärkten, in Schulen und Wohnzimmern werden Gottesdienste gehalten, aber in dieser Woche wird gemeinsam gefeiert und gebetet. Es gibt unterschiedliche Gewohnheiten und Traditionen. Alte Choräle haben ihren Platz neben modernem Lobpreis. Es gibt überraschende Begegnungen. Wer hätte schon gedacht, hier ausgerechnet den Kollegen, die Klassenlehrerin, den Nachbarn zu treffen? Die Kreativität ist groß. Liebevoll werden die Abende gestaltet, es gibt lebendige Ansprachen und  die gemeinsame Gebetszeit. Popcorngebete kannte ich bis dahin nicht. Manche schätzen Gebetsgemeinschaften, in denen jeder laut oder in der Stille Gott Anliegen nennen kann. Andere bevorzugen eine meditative Stille für das persönliche Gebet. Es werden Gebetsanliegen genannt, die alle angehen: für unsere Stadt, für die Politiker in unserem Land, für den weltweiten Frieden, dass Gott ein Erbarmen mit seiner Erde habe. Die Vielfalt der Gebetsanliegen ist groß. Jugendliche laden zu einem Gebetsparcour ein. Letztlich ist aber die Form des Gebets nicht entscheidend. Bei aller Verschiedenheit wird deutlich, dass wir einen Gott haben, der uns liebt, der uns sieht und uns zuhört. Gott erhört Gebete, diese Erfahrung verbindet uns als Christen. Am Sonntag wird die Frage wieder eindeutig beantwortet: ich gehöre in meine Gemeinde. Aber ich habe in den letzten Tagen eine Ahnung davon bekommen, dass Gottes Gemeinde viel größer ist als meine eigene.

Nicole Bernardy

Nicole Bernardy

Pastorin in der Ev. Methodistischen Kirche in Minden

Mensch sein – ohne Kompromisse

Liebe Leserinnen und Leser!

Der Schmuck des Christbaums ist wieder im Schrank verstaut, die letzten Weihnachtsplätzchen aufgegessen und nach dem Jahreswechsel, gefeiert mit Böllern und Raketen, ist nun in der ersten Woche des neuen Jahres wieder der Alltag eingekehrt. Für die Christen in unserer Stadt Minden, die das Fest der Geburt Jesu noch ein wenig länger haben nachglühen lassen, endet an diesem Sonntag mit dem Fest Taufe des Herrn die Weihnachtszeit. Die rührende Weihnachtsgeschichte, die wir am Heiligabend hörten und die Kindheitsgeschichten Jesu, die uns in den Tagen nach Weihnachten begleiteten, liegen nun hinter uns. 18 Jahre des Schweigens liegen zwischen der Kindheitsgeschichte des zwölfjährigen Jesu im Tempel in Jerusalem (Lk 2) und der Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan (Lk 3). 18 Jahre, über die die Evangelien keine näheren Angaben machen. 18 Jahre des Schweigens, der Stille, in denen Jesus zunahm „an Weisheit, Alter und Gnade vor Gott und den Menschen“ (Lk 2, 52). Und dann, Jesus ist rund 30 Jahre alt, – wir würden sagen, er sei im besten Alter -, steht er unter den vielen Menschen, die am Jordan Buße tun, um von Johannes in den Fluten des Stromes von ihren Sünden rein gewaschen zu werden. Da also steht der Gottessohn, – wahrer Mensch und wahrer Gott -, von dem wir glauben, dass er selber ohne Sünde war. Er lässt sich von Johannes taufen und von Sünden reinwaschen, die er selber nicht begehen kann, nicht begangen hat. In dieser kleinen Szene ist schon vieles vom dramatischen Leben dieses Jesus von Nazareth, den die Christen als den Sohn Gottes verehren, enthalten. Sich ganz klein zu machen, sich angreifbar zu machen und verletzlich, sich für andere auszuliefern, für andere durch das Feuer, an das Kreuz zu gehen; sich hinzugeben ganz und gar, dies ist das Besondere an diesem Jesus von Nazareth, das auch nichtgläubige Menschen und jene, die den christlichen Glauben nicht kennengelernt haben, berührt. Dies ist eines der Geheimnisse des Gottes, an denen die Christen glauben: Gott selbst wird in diesem Menschen Jesu radikal Mensch, wird Mensch, mit allem, was zum Menschsein dazu gehört. Gott selbst ist uns im Menschen Jesus von Nazareth nahe, hat sich berührbar, anfassbar, verletzlich gemacht. Gott wird Mensch, mit allen Konsequenzen, ohne Kompromisse, ohne Hintertür oder Ausweg.

Ich wünsche uns und Ihnen, dass auch das Jahr 2020 unter dem Segen Gottes stehen wird, der in Jesus Mensch geworden ist. Für Dich, für mich…

David F. Sonntag

David F. Sonntag

Pastor am Mindener Dom

Meine Zeit steht in deinen Händen

Liebe Leserin, lieber Leser,

genau 4 Tage ist es jung: das neue Jahr. Noch viel Zeit liegt in 2020 vor uns. Spätestens ab Montag hat die meisten von uns der Alltag wieder fest im Griff: Sitzungen, Telefonate, noch schnell die E-Mails beantworten, die Bluse aufbügeln, die eine oder andere Besorgung machen… Zeitmanagement ist da gefragt. Optimales Timing, denn oft läuft uns die Zeit weg.   

Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte können ein Lied davon singen. Sie hätten gerne mehr Zeit, um sich den Patienten und Patientinnen zu widmen.  

Umgekehrt kann sich die Zeit scheinbar unendlich hinziehen. Z.B. bis sich ein kleiner Fortschritt auf dem Weg der Genesung einstellt oder  bis man aus dem Krankenhaus entlassen wird.

Wie leer können acht Stunden und wie erfüllt können wenige Augenblicke sein! Was ist ein Tag nur abgehakt im Kalender? Wie wichtig sind dagegen die fünf Minuten, die man morgens dem Wecker noch abtrotzt! Intensive Zeiten der Liebe. Ein gutes Gespräch, das in Erinnerung bleibt.  

Ein Beter der hebräischen Bibel sagt: Gott, „meine Zeit steht in deinen Händen“ (Ps. 31, 16). Nichts ist mir so ausschließlich anvertraut wie meine Zeit. Sie ist eins der kostbarsten Geschenke, die Gott mir macht.

Das heißt doch: Alles, was wir erleben, ist in Gottes Händen geborgen und  aufgehoben: die stressigen Situationen, in denen wir der Zeit hinterher rennen, die still geweinten Tränen, ohnmächtige Wut, Zeiten der Krankheit und Schmerzen. Genauso die schönen Zeiten, geprägt von liebevollen Begegnungen, tragfähiger Freundschaft, von Erfolg im Beruf und fröhlichen Festen.

Klar ist: Das Jahr 2019 gehört der Vergangenheit an. Unwiederbringlich. Was im neuen Jahr geschehen wird, ist ungewiss. Politisch genauso wie im persönlichen Leben.

Gewiss ist: Unsere Zeit steht in Gottes Händen. Wir können sie nutzen und das Beste aus ihr machen. Jetzt.

 

Ein gesegnetes neues Jahr!

Drucks, Melanie

Drucks, Melanie

Pfarrerin in Johannes Wesling Klinikum

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