Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Fasten evangelische Christen eigentlich auch?

Fasten evangelische Christen eigentlich auch? Ja! Viele evangelische Christen fasten wie ihre katholischen Glaubensgeschwister sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern. Fasten heißt innehalten und zur Ruhe kommen. Es ist eine Einladung. Erleben Sie diese Zeit des Jahres bewusst. Hinterfragen Sie die Routine des Alltags. Schenken Sie sich Zeiten der Entschleunigung und Orte der Besinnung. „Ich werde keine Süßigkeiten essen. Nun ist Schluss mit all dem ungesunden Zeug“, kündigt ein Familienmitglied an. Eine möchte sieben Wochen vegetarisches Leben ausprobieren. „Als sie alles Gesammelte maßen, da hatten die Vielsammler keinen Überschuss und die Wenigsammler keinen Mangel. Sie hatten gerade so viel heimgebracht, wie jede Person brauchte“ (2. Mose 16,18). In der biblischen Urgeschichte muss das Volk Israel auf dem Weg zur Freiheit die Wüste durchqueren. Eine Zeit des Hungerns wird den Menschen zugemutet. Gott sichert ihr Überleben, indem Gott „Mannah“ zum Essen schenkt. Die Nahrung reicht immer nur für einen Tag. Es reicht für alle, doch, was zu viel gesammelt wird, verdirbt. Wir merken heute, dass die vielfachen Überschreitungen der ökologischen Grenzen Folgen haben, die die Menschheit kaum noch aufhalten kann. Eine Begrenzung ist dringend nötig. Die ökumenische Fastenaktion hat deshalb ihre Fastenaktion unter das Motto „So viel du brauchst…“ gestellt. Sie versteht sich als Fastenaktion für  Klimaschutz & Klimagerechtigkeit. Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, noch auf der Suche sind, wie Sie der Fastenzeit Sinn und Tiefgang geben können, möchte ich Sie auch zum Klimafasten einladen. Ich nehme mir vor: sieben Wochen mit weniger Energieverbrauch leben, anders unterwegs sein, weniger kaufen und verbrauchen, mehr Zeit für mich und meine Mitgeschöpfe haben. Das muss kein schmerzlicher Verzicht sein – im Gegenteil. Papst Franziskus sieht in einem achtsamen und genügsamen Lebensstil sogar eine Intensivierung von Leben

Imke Reinhardt-Winteler

Imke Reinhardt-Winteler

Pfarrerin im Referat für gesellschaftliche Verantwortung im Ev. Kirchenkreis Minden

Braut und Hure

Zärtlich nimmt die Mutter das Kind in den Arm, schaut sich das aufgeschlagene Knie an, tröstet und wischt die Tränen ab, die die Wange des Kindes hinunterlaufen. Nun kann alles wieder gut werden, zumindest ein Stück weit. Auch wenn wir erwachsen sind, gibt es diese Momente, in denen es so wohltuend ist, wenn wir getröstet werden. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen …“. Was für ein starkes Bild finde ich im letzten Buch der Bibel, gerade richtig für graue, trübe Novembertage. Die Worte berühren mich. Gott sieht jede Träne, die ein Mensch weint: Tränen der Trauer und des Schmerzes, Tränen der Verzweiflung und des Leids. Bei ihm sind sie gut aufgehoben. Ganz gewiss schaut er nicht aus irgendeiner Ferne auf unsere Sorgen und Nöte, vielmehr kommt er zu jedem und jeder von uns persönlich, rührt uns an. Wir dürfen unsere Tränen weinen, unseren Schmerz zeigen. Gott bietet sich als Adressat unserer Tränen an. Aber er ermutigt uns auch, die Trauer und die Tränen unserer Mitmenschen zu begleiten, Tränen bei ihnen abzuwischen. Gott tröstet. Oftmals erleben wir das durch liebevolle Worte, kleine Gesten und Zeichen, die ein anderer Mensch uns schenkt. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein …“ – Eine zärtliche Berührung Gottes, die etwas von dem erahnen lässt, das einmal sein wird. Es wird eine Zeit kommen, in der alle Tränen getrocknet sein werden. In Gottes Ewigkeit wird es keine Tränen und auch keinen Tod mehr geben. Dafür steht Jesus Christus, ein Lichtblick in den Schattenseiten unseres Lebens. Er hat dem Gott, der am Ende die Tränen abwischen wird, vertraut. Das dürfen wir auch. Alles kann gut werden.

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Frühjahrsputz

Wie reagieren Menschen, wenn sie von Gott angesprochen werden? Diese Frage stellte sich bereits, als Jesus mit großem Zulauf predigte. Viele ließen sich ansprechen, aber nicht alle. Manche machten regelrecht zu.

Dabei ist die Botschaft von Gott geliebt zu werden doch die beste Botschaft überhaupt. Besonders die Anständigen wollten diese Liebe, nicht mit den Unanständigen teilen. Sie meinten, dass sie sich Gottes Liebe hart erarbeitet hätten, das müssten die anderen erst mal nachmachen.

Sie erinnern mich immer an meine Gehölze im Garten. Mit den Jahren bekommen manche eine ganz schön harte Rinde und sie werden unten kahl.

Da kommen keine neuen Triebe mit Blüten mehr raus. Erst wenn die verständnisvolle Gärtnerin so manchen verholzten, harten Trieb zurück schneidet, besinnt sich der Strauch: Neue, biegsame Triebe treiben aus dem Rest des alten Holzes wieder aus und bringen neues Leben und Blüten.

Ich bewundere diese Sträucher, allen voran die Rosen, dass sie aus ganz altem Holz neue Triebe schieben können, wenn sie nur richtig geschnitten werden.

Der Schnitt weckt sie auf und sie antworten mit neuem Wachstum.

Und wir Menschen? Wir verhärten uns auch an so mancher Stelle unserer Seele, nicht nur in unserem Körper. Aus Enttäuschung, aus Angst, aus Trauer, vielleicht aus Lieblosigkeit, legen wir eine harte Rinde um unser Herz, wir verhärten uns und wir verkrümmen uns dabei.

Gott sieht aber die ‚schlafenden Augen‘ unter unserer Rinde. Die Möglichkeit von neuen Trieben, von neuem Wachstum auch im ganz alten Holz.

Dafür braucht es den beherzten Schnitt, der alte Zöpfe abschneidet.

Dazu braucht es den Weckruf von Liebe, Licht und Wärme im Frühjahr.

Die Zeit vor Ostern erschöpft sich nicht in einem wochenlangen Ausblick auf die Leiden Christi. Sie will unseren Blick auf Gottes Güte lenken, die uns reicher beschenkt, als wir es uns je verdienen könnten. Er sieht bei uns Möglichkeiten, wo wir schon aufgegeben haben.

Für alle Gärtner, die in diesen Tagen ihre Scheren schärfen und schauen,

wo ein Rückschnitt nottut: Schauen wir auch in unser Herz und schauen, was sich da verhärtet hat und einen Rückschnitt braucht.

Schauen wir liebevoll auf unser Leben und schneiden wir mit dem Bild der neuen Blüten vor Augen, die auch wir wieder treiben können, gewärmt und gestärkt von Gottes Liebe.

Er schenkt uns viel mehr Möglichkeiten, als wir in uns und an einander sehen können. Das wäre doch mal ein Frühjahrsputz!

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. Hebräer 3,15

Katja Reichling

Katja Reichling

Pfarrerin im Entsendungsdienst an der Christuskirche und am Albert-Schweitzer-Haus