Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Lass los, das Wichtigste behältst Du

Regen ist nicht nur gut für die Natur. Regen hält mich in der Wohnung und ich gehe in das Zimmer, wo so alles lagert, was keinen richtigen Platz in der Wohnung gefunden hat. Ich schaue in die Regale und hinter die Schranktüren. Ach, denke ich, „das“ hast Du auch noch?! Es ist gefühlt eine Ewigkeit her, seit ich „das“ zum letzten Mal in der Hand hatte. Ich beschließe, mich nun endgültig davon zu trennen… Schließlich ziehe ich einen Karton aus dem Schrank. Darin lagern Bilder. Sie führen mich in längst vergangene Tage. Sie zeigen Menschen, deren Namen ich nicht einmal mehr kenne. Und auch wenn mir die Menschen fremd geworden sind, verbinde ich mit dem ein oder der anderen Erlebnisse, Begegnungen und jene Zusagen, dass man sich besuchen werde. Das ist lange her und zu dem Besuch ist es nie gekommen. Die Wege haben sich getrennt. Müßig darüber nachzusinnen, was aus der einen oder dem anderen geworden sein mag. Ich werde mich von den Bildern trennen, ohne Groll. Meine Familie kann mit den Bildern nichts anfangen und die Geschichten, die ich damit verbinde, erschließen sich meinen Angehörigen nicht. Es gab Zeiten, da hätte ich festgehalten, aufbewahrt und nichts losgelassen von alle dem, was ich in meinem Leben zusammengetragen und erlebt habe. Ich hätte meine Kinder mit Geschichten genervt, die ihnen letztlich immer fremd geblieben wären. Doch diesen umfassenden inneren Konflikt lasse ich los, wie ich die Bilder und Gegenstände loslasse. Und mir fallen Worte aus dem ersten Buch Mose ein: „Steht … nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur  Linken, so will ich zur Rechten und willst du zur Rechten, so will ich zur Linken.“ (1. Mose 13,9) Ich lebe heute, im Hier und Jetzt, habe Menschen, die mir verbunden sind, gehe Aufgaben nach, die mich erfüllen. Die Vergangenheit ist vergangen und die Menschen auf den Bildern sind ihren Weg gegangen und ich bin den meinigen gegangen. Und der Lebensweg hat mich immer weitergebracht. Ein Segen, der vielleicht von mancher und manchem so nicht gesehen wird, weil es Menschen mitunter nicht gelingt, loszulassen von dem, was unwiederbringlich vergangen und verloren ist. Sie bleiben hängen und gefangen in Erinnerungen und sie sehen mitunter nicht, was jeder Tag an neuen Lebensmöglichkeiten bereithält. Wer sich dagegen dankbar trennt und sich dem Leben, den Menschen um sich und neuen Herausforderungen zuwendet, der wird gesegnet und das erkennt man dann sogar an Tagen, an denen es regnet. Seien Sie gesegnet.

Christoph Kretschmer

Christoph Kretschmer

Pfarrer, am Freiherr vom Stein Berufskolleg

Aufruf zur Freude

Thema: Hoffnung, die uns trägt

 

Lätare! Aus dem Lateinischen übersetzt: Freuet euch! So heißt der morgige Sonntag. Es ist der vierte der Passionszeit und hat schon ein wenig österlichen Charakter. Deshalb wird er auch „kleines Osterfest“ genannt. In diesem Sinne: Freuet euch, denn die Mitte der Passionszeit ist überschritten! Mit diesem sind es nur noch drei Sonntage! Freuet euch, denn das Osterfest rückt näher! Freuet euch, denn Leiden und Tod haben nicht das letzte Wort! Auch die wiedererwachende Natur zeigt uns dies. Schaut hin! Freuet euch! Und doch: Die Freude hat es zurzeit nicht gerade leicht. Furcht will die Freude lähmen. Menschen sind auf der Flucht unter katastrophalen Bedingungen. Menschen rund um den Globus – auch hier bei uns – fürchten sich davor, mit dem Corona-Virus angesteckt zu werden. Schulen und Kindertageseinrichtungen sind geschlossen. Nach und nach erleben wir immer mehr, welche Auswirkungen diese Pandemie auf unser Leben hat. Freuet euch? Wenn wir dennoch den Aufruf zur Freude auch an diesem Sonntag nicht verstummen lassen wollen, so deshalb, weil wir Hoffnung haben. Die Hoffnung stirbt eben nicht zuletzt. Sie stirbt nie! Die Hoffnung auf das neue Leben, die in der Auferstehung Jesu begründet ist. Die Hoffnung darauf, dass letztlich das Leben den Sieg feiern wird. Darum: Freuet euch – allem Leiden zum Trotz! Freuet euch! Und morgen noch aus einem anderen Grund. Dann sind sie offiziell im Amt, die neuen Presbyterinnen und Presbyter in den evangelischen Kirchengemeinden. Das ist auch ein Grund zur Freude und zur Dankbarkeit, ein ganz besonderer Grund. Denn es gibt Menschen, die sich in den ehrenamtlichen Dienst der Gemeinde stellen lassen. Die bereit sind, Leitungsverantwortung zu übernehmen. Die ihre Begabungen für andere Menschen einsetzen. Zeit für Beratungen mitbringen. Nach neuen Wegen und Lösungen suchen, Entscheidungen treffen und mittragen. Die ansprechbar sind und Rechenschaft abgeben. Lätare! Ja, darüber können wir uns nur freuen – zusammen mit all denjenigen, die ab morgen neue Presbyterinnen und Presbyter sind. Freuet euch – allem zum Trotz, was auch an Schwierigkeiten, Zweifeln und Enttäuschungen kommen mag! Diese Zusage gilt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ (Jesaja 54,10)

Ekkehard Karottki

Ekkehard Karottki

Pfarrer in der Kirchengemeinde Kleinenbremen

Gutes Miteinander

Lass dich anstecken von der Menschlichkeit und infiziere gründlich deine Umgebung, auf dass der Virus der Nächstenliebe die Welt erobert, bevor es ein anderer Virus schafft. (Christa Schyboll, Autorin, geb. 1952)

Von welchem Virus lassen wir uns anstecken? Von dem Virus der Angst vor einer Corona-Erkrankung? Dann auf und in die Supermärkte, um weiter die Regale ohne Sinn und Verstand leer zu kaufen!

Oder lassen wir uns infizieren von dem Virus der Gleichgültigkeit? Was interessieren uns die Flüchtlinge in der Türkei? Oder in Syrien? Oder sonst wo in der Welt? Wir haben genug mit uns zu tun.

Der morgige Sonntag wird in der evangelischen Kirche „Okuli“ genannt. Dieser Name erinnert an den alten Eingangsgesang aus Psalm 25: Meine Augen sehen stets auf den HERRN.

Wer es dem Psalmbeter gleichtut, der starrt nicht ängstlich auf die Gefahren und Herausforderungen des Lebens. Der Blick auf Gott schenkt Mut und Zuversicht. Denn auch in Gefahr lässt er uns nicht allein.

Das heißt nicht, dass man sich angesichts der Corona-Viren nicht die Hände waschen muss. Das löst auch nicht automatisch die großen Probleme der Weltpolitik, die zu immer neuen Flüchtlingsströmen führen.

Aber wir müssen nicht wie ein Kaninchen auf die Schlange starren. Wir blicken auf den, der uns das Leben geschenkt und bis heute erhalten hat. Im Vertrauen auf ihn lassen wir uns vom Virus der Nächstenliebe anstecken. Wir sorgen zunächst für die Kranken. Wir kümmern uns um die Leidtragenden. Wir lassen uns berühren von der Not anderer.

Mit Blick auf Gott werden wir gute Wege des Miteinanders finden! Denn wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg. Sich zunächst um andere zu sorgen und Mitmenschlichkeit an den Tag zu legen, ist das Gebot der Stunde. Denn ein guter gesellschaftlicher Zusammenhalt ist die beste Voraussetzung, um kleine und große Herausforderungen zu meistern. Und wer dabei auch noch mit Gottvertrauen ans Werk geht, kann sich hilfreich einbringen.

Thomas Lunkenheimer

Thomas Lunkenheimer

Pfarrer und Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem

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