Im letzten Jahr besuchte ich mit einer Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Kirchenkreis Minden das Kloster Brenkhausen bei Höxter. Es ist ein Kloster der koptischen Kirche, der christlichen Kirche in Ägypten.

Im Gespräch mit Bischof Damian, der uns über die Situation der Christinnen und Christen in Ägypten berichtete, kamen wir auch auf die Terroranschläge auf koptische Kirchen zu sprechen. Am 9. April 2017 waren bei Anschlägen von islamistischen Fanatikern auf koptisch-christliche Kirchen in Alexandria und Tanta mindestens 38 Menschen getötet und mehr als hundert Menschen verletzt worden. Wir fragten Bischof Damian, wie die Menschen in den koptischen Gemeinden auf diese schrecklichen Taten reagieren. Er sagte uns sinngemäß: Sie gehen umso mehr in die Kirchen – die Zahl der Gottesdienstbesucher sei seit den Anschlägen gestiegen. Dazu passt eine weitere Nachricht. Im Evangelischen Sonntagsblatt konnte man am 5.1.2018 lesen: „Viele junge Kopten wollen Mönch oder Nonne werden. .. Die koptische Kirche muss sich um Nachwuchs in ihren Klöstern keine Sorgen machen.“

Angesichts dieser Berichte fiel mir ein Wort aus dem 23. Psalm ein: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde“. Eigentlich kaum vorstellbar, dass man sich im Angesicht seiner Feinde ruhig zum Essen hinsetzt. Aber – ist der gedeckte Tisch nicht ein Bild dafür, dass Gott uns einlädt, bei ihm zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken? Gerade dann, wenn wir bedrängt werden und Angst haben?  Zugleich sagt das Bild: Gott sorgt für uns – er selbst deckt den Tisch.

Die Christinnen und Christen in Ägypten machen es vor: Gerade im Angesicht der Feinde gehen sie in den Gottesdienst oder entscheiden sich für ein Leben im Dienst für Gott. Sie tanken Kraft bei Gott für ihr Leben. Kraft auch dafür, sich von der Angst nicht besiegen zu lassen und ihr Herz nicht dem Hass zu öffnen.

Die Dinge, die uns hier bei uns bedrängen, also gewissermaßen unsere „Feinde“, mögen ganz anders aussehen: Sorgen, vielleicht eine Krankheit oder ein anderer schwerer Weg, den wir gehen müssen. Doch auch uns lädt Gott ein: Komm zu mir, setzt dich an meinen Tisch, tank auf! Ob das in einer Zeit der Stille und des Gebets geschieht, in einem Gottesdienst, bei einer Andacht im Radio oder Internet – Gottes Tisch ist gedeckt. Was auch immer uns bedrängt – Gott lädt uns ein, uns von ihm neue Kraft schenken zu lassen

Thomas Salberg

Thomas Salberg

Pfarrer, Ev. - Luth. Kirchengemeinde Friedewalde

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