Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit

– so heißt es in dem Bibelwort, dass über dem morgigen Sonntag und der kommenden Woche steht. Die christliche Tradition erinnert mit diesem Vers aus Psalm 145 am Erntedankfest an Gott als den Geber aller guten Gaben. Die Kirchen sind geschmückt mit den Erzeugnissen unserer Ernte – mit allem, was bei uns in Gärten und auf Feldern wächst.

Bei uns… und anderswo?

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit

Dieser Vers kann uns auch nachdenklich stimmen. Wenn wir uns den Jahresablauf in anderen Regionen dieser Welt vor Augen halten, dann werden wir gewahr, dass Millionen Menschen ihre Speise nicht zur rechten Zeit bekommen haben. Das Lob Gottes bleibt da vielen Menschen im Hals stecken. Gibt es nicht genug Augen, die vergeblich auf ihre lebensnotwendige Nahrung warten?

Sicherlich – und auf die Frage nach dem „Warum?“ werden wir nie eine gute und erschöpfende Antwort geben können. Doch gibt es neben der möglichen Kritik an Gott und seinem Handeln noch zwei weitere Reaktionsmöglichkeiten für uns Menschen.

Zum einen: persönliche Dankbarkeit! Danken wir Gott, dass es uns so gut geht. Auch wenn sich Viele unter uns Sorge machen um ihre Zukunft, so sind doch die grundlegenden Dinge in unserem Land derzeit gesichert. Wir leben in äußerem Frieden und in einer freiheitlichen Rechtsordnung; wir haben unser Auskommen – Nahrung, Kleidung und Wohnung; wir sind auch in diesem Jahr von Katastrophen verschont geblieben. Wer noch Kriegs- und Notzeiten kennt der weiß, wie wenig selbstverständlich all dies – und wie viel wirklichen Grund zum ganz persönlichen Dank wir haben. Danken wir Gott, dass unsere Augen auch in diesem Jahr nicht vergeblich auf Versorgung zur rechten Zeit gewartet haben!

Und zum anderen: Hilfe! Wenn wir Nöte in der Welt und in unserer Nachbarschaft erkennen, dann ist dies zunächst ja eine Aufforderung an uns selbst. Gott handelt durch uns Menschen. Wenn wir erkennen, wo in dieser Welt Not herrscht, dann sind wir aufgerufen, im Namen Gottes unser Mögliches zu tun, um diese Not zu lindern. Die Augen von anderen Menschen warten auf uns, dass wir ihnen zur rechten Zeit ihre Speise geben im Namen Gottes!

Persönliche Dankbarkeit und Hilfe für andere, das können – ja vielmehr: das müssen! – unsere Reaktionen zum Erntedankfest sein. Bekennen wir frei und offen, wem wir alles verdanken, und lassen wir diesem Dank Taten folgen. Dann können immer mehr Menschen einstimmen in den Psalmvers

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit

Pfr. Christoph Ruffer

Pfr. Christoph Ruffer

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Martini

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