So langsam nähern sich die Sommerferien dem Ende. Noch ein paar Tage, und es rollen morgens wieder die Schulbusse durch die Stadt. Das nennen wir Alltag. Dann steht wieder alles auf Vollbetrieb in den Schulen, in den Kirchengemeinden und im täglichen Leben.  In den Ferien lief manches ruhiger. Konnten wir es genießen? Viele Familien nutzten die Ferien zu einem Urlaub in anderen Regionen. Meine Frau und ich haben mit unseren Enkelkindern eine Fahrt mit der Mindener Museumseisenbahn erlebt. Wir Erwachsenen genossen die Entschleunigung und erinnerten uns an den Geruch und die Geräusche vom öffentlichen Nahverkehr unserer Kindertage. Die Augen der beiden vierjährigen Zwillinge konnten sich nicht satt sehen. Jeder Trecker und jeder Bagger wurde begeistert wahrgenommen. Tiere wurden benannt und schließlich entdeckten sie die Windmühle in Südhemmern. Dort stand das Getreide in vollen Ähren, und die Kinder sammelten einige Halme auf, die auf dem Boden lagen. Die Körner waren fast reif. Dann ging es hinauf in die Mühle, wir konnten das weiße frische Mehl sehen. Aus Mehl wird Brot gebacken. Bevor wir später das Brot aßen, hoben die beiden Kleinen die Hände und formten einen Schmetterling. Gemeinsam sprachen wir ein Dankgebet: „Fliege, lieber Schmetterling, fliege hoch zum Himmel hin, sag dem lieben Gott dort oben, dass wir ihn fürs Essen loben. Amen.“ Mir wurde bewusst, dass die Augen einen Zugang geschaffen hatten zu der inneren Welt. Und dass der tägliche Umgang im kirchlichen Kindergarten und das Gebet im Elternhaus Früchte trug. Aber auch wir Erwachsenen sollten uns erlauben, mit unseren Augen das Schöne wahrzunehmen. Wenn der Alltag wieder losgeht und die Minuten enger getaktet sind, begegnen wir in unserer Gesellschaft auch wieder dem Ego und der Rücksichtslosigkeit. Wenn dann im Straßenverkehr wieder ein Obercooler sich toll findet, beim Fahrspurwechsel bewusst auf den Blinker zu verzichten, dann denke ich an die Sonnenblumen auf manchen Feldern oder an den herrlichen Sonnenaufgang, der am Morgen über dem Mindener Land geleuchtet hat. Dann orientiere ich mich nicht an der inneren Armut von Anderen, sondern an dem Reichtum von Gottes Schöpfung. Und spreche in Anlehnung an die Worte meiner Enkel: „Fliege lieber Schmetterling, fliege hoch zum Himmel hin, sag dem lieben Gott dort oben, dass wir ihn für seine schöne Schöpfung loben.“

Eberhard Baade

Eberhard Baade

Pfarrer in der Kirchengemeinde Bergkirchen

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